CHECKPOINT-CHARLIE-STIFTUNG Berlin am 15. September 2009 = 19 Uhr: Vortrag RA Blöcker: Carl Hau - Rechtsanwalt, TRechtsprofessor -Mörder? in der Europäischen Akademie Berlin Grunewald +++ Engagement ist gefordert! Wir möchten über die Strafe diskutieren. Gibt es ein Leben ohne Strafe? Was ist Strafe? Wer bestimmt Strafe? Macht Strafe einen besseren oder einen schlechteren Mitmenschen?

Der Prozess

Residenzstadt Karlsruhe

Die beschauliche Hauptstadt Karlsruhe des Großherzogtums Baden war dem Mord-Prozess kaum gewach-sen. Nur ca. 100 Meter vom Landgericht entfernt residierte der Großherzog. Die eigene Infanterie war auch nur einen Häuserblock entfernt. Der Prozess-Saal war überfüllt und ca. 20.000 Bürger begehrten Einlass, demonstrierten und brachten die Gendarmen in eine solche Bedrängnis, dass das Militär mit aufgepflanzten Bajonetten für Ruhe sorgen mußte.

Die Anklageschrift


Landgericht Karlsruhe 1907

Hier demonstrierten bis zu 20.000 Bürger

Rechtsanwalt Dr. Hau als Angeklagter

Hau verteidigte sich in eigener Sache schlecht.

"Ich verweigere die Aussage..."

lautete die Standard-Antwort von Dr. Carl Hau auf die Fragen des Schwurgerichtsvorsitzenden Dr. Eller, den auch Hau in seinem Buch "Todesurteil" als sehr angesehen beschreibt.
Schwierig war das Verhältnis von Carl Hau zu seinem Verteidiger Dr. Dietz, dem er sogar "Interessenkol-lisionen" vorwirft, weil dieser seinen Verteidiger-Besuch in London nachteilig beim "Biertischgespräch" wiedergegeben haben soll.

Darf ich es wagen, Ihnen Geleit anzutragen?

Hatte Olga Molitor ein Motiv?

Die Überlebende..

war nach der Ermordung ihrer Mutter Josefine Molitor und dem Selbstmord von Lina Hau die Schwester und Schwägerin Fräulein Olga Molitor. Sie war als "Schatten oder Sonne?" bei Carl Hau und ihrer Schwester in Ajaccio und in Paris zugegen und betrübte Ehefrau Lina Hau. Olga Hau war zur Tatzeit auch am Tatort. Auch Olga wurde Erbin der ermordeten Mutter. Könnte es sein, dass Olga....diese Überlegungen beschäftigten fortan das Publikum und die Presse. Selbst die berühmte Zeitschrift "Simplicissimus" stellte Olga Hau in den Vordergrund.

Nicht ganz einfach...Olga Molitor

Fräulein Olga wurde zur Klägerin...

Kritik des Sachverständigen Dr. Popp

Spurensicherung an der Jacke des Opfers fehlerhaft

Fragebogen des Gerichts an die Geschworenen

Sieben Geschworene sprachen Hau für "schuldig"

Für "Recht erkannt"

...wegen Mordes zum Tode verurteilt

Letzte Instanz: Reichsgericht Leipzig

Reichsgericht Verwerfung der Revision



Mitteilung der Großherzoglichen Staatsanwaltschaft

.."das Todes-Urteil ist rechtskräftig"

Umwandlung in "Lebenslänglich"


Irgendetwas wird schon dran sein...

so dachten nicht nur Tausende von Schaulustigen, sondern Leserinnen und Leser im gesamten Deutschen Reich. Überall in der Welt wurde über den Prozess berichtet. Und solange es Zweifel an der Schuld von Carl Hau gab und gibt, wurde auch über die Rolle von Olga Molitor spekuliert. Die Menschen waren aufgewühlt. Und Olga Molitor hatte doch auch Kontakte ...zu Carl Hau. Aufgrund der Fragestellungen in der Presse kam es zu zahlreichen Folgeprozessen, in denen Olga Molitor gegen Verdächtigungen und Verleumdungen prozessierte.

Verteidiger Dr. Dietz

nicht ganz unkritischwird der Verteidiger Dr. Dietz gewürdigt, der in Karlsruhe als Rechtsanwalt mit rechtspolitischen Ambitionen sehr angesehen war.

Carl Hau deutet in seinem Buch "Todesurteil" an, dass Dr. Dietz ihn in London besucht und danach in privaten Juristengesprächen in Karlsruhe wohl "als nicht ganz unschuldig" dargestellt habe.

Dr. Dietz hat von den Selbstmordabsichten der Lina Hau erfahren und diese wohl nicht ganz ernst genommen.

Eine Zusammenarbeit zwischen dem Verteidiger Dr. Dietz und dem Angeklagten Dr. Carl Hau hat es wohl nicht gegeben, was letztlich auch zum Todes-Urteil für Carl Hau geführt hat.



Was sprach für und gegen Carl Hau?

Gegen Hau hier sollen nicht nur juristische Werte gepunktet werden. Pro Hau - hier sollen nicht nur juristische Werte gepunktet werden.
Anwesenheit in Baden-Baden zum Tatzeitpunkt, nach Verweigern der Aussage zugestanden. Hau hatte eine Waffe - es war nicht die Tatwaffe.
Der falsche Bart - doch nicht wegen Olga?  
Lina Hau, seine Ehefrau, würde erben. Lina Hau hatte jedoch schon 65.000 Mark, einen wesentlichen Teil, zu Lebzeiten von ihrer (ermordeten) Mutter erhalten.
  Staatsanwalt Dr. Bleicher lancierte Falschmeldungen und verhinderte Dementis, was möglicherweise die Geschworenen beeinflusst hat. Dr. Bleicher übte auch Druck auf Lina Hau und Carl Hau unter Ausnutzung der psychischen Situation aus.


Badische Neueste Nachrichten 1949 Hau - der Film

1949 Ein Mordfall wird zum Film (BNN)

Nachkriegs-Produkte...

Obwohl der Prozess Hau 1907 beendet war und Carl Hau 1926 in Rom verstorben war, gab es immer wieder Schriftsteller, Journalisten und Filmemacher, die bis heute populärwissenschaftlich das Thema "Carl Hau" bearbeiteten. Carl Hau "lebte somit weiter", während sich die Spuren von Olga Molitor im Großraum München und der übrigen Familie Molitor wohl bei Wiesbaden verlaufen.




BNN - Beitrag RA Dr. Zippelius 1976

Der Fall Hau - 1976 zur Diskussion gestellt.


Großherzogtum Baden
Prozess-Beteiligte